Narzissmus und Borderline

Woran können Sie erkennen, ob Sie es mit Narzissmus oder Borderline zu tun haben? Sie fragen sich, ob Sie Opfer emotionalen  Missbrauchs geworden sind? Sie zweifeln mittlerweile an Ihrer Wahrnehmung oder ihrem Verstand?  Sie zweifeln, ob Sie nicht vielleicht selbst die Narzisstin oder der Borderliner sind, denn immerhin gehören ja zwei Leute zu einer Beziehung und laut Google haben wir ja alle narzisstische Züge oder legen toxische Verhaltensweisen an Tag. 

Laut ICD-10 liegt die Häufigkeit einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (F60.8) in der Gesamtbevölkerung bei etwa 1,0-4,5%, Tendenz steigend. Die Borderlinestörung (f.60.3), dagegen hat eine Häufigkeit von ca: 8%. Bei Google und Youtube stehen Narzissmus und Borderline noch höher im Kurs. 
Narzissmus und Borderline, emotionale Instabilität, dysfunktionales Verhalten und Impulsivität zeigt sich auf vielerlei Art und Weise. Wir alle können in bestimmten Momenten natürlich auch mal gewisse narzisstische oder emotional-instabile Züge an den Tag legen. 

Auch können wir alle mal überreagieren, aus der Haut fahren oder jemand anderen anschreien. Der Unterschied, ob es sich jedoch um toxische Beziehungsmuster handelt, liegt in der individuellen Ausprägung und in der eigenen Reflektionsfähigkeit und der eigenen Resilienz.

Wenn Sie sich also bereits selbst hinterfragt haben, ob Sie nicht der eigentliche Narzisst sind, wenn sie ein schlechtes Gewissen haben und sich entschuldigen können, dann kann ich Sie gleich an dieser Stelle schon beruhigen: die Tatsache, dass Sie Ihr eigenes Verhalten hinterfragen, auf dieser Seite gelandet sind, sich mit der Thematik auseinandersetzen und an sich arbeiten wollen, deutet bereits schon darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr, sehr gering ist, dass Sie unter Borderline oder pathologischem Narzissmus leiden.

 

Die wichtigsten Symptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Im folgenden sind die Kernsymptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung aufgeführt:

  • ausgeprägtes Gefühl der eigenen Wichtigkeit
  • (Über-)betonung der eigenen Fähigkeiten und Übetreiben der eigenen Leistungen
  • intensive Beschäftigung mit Phantasien und Tagträumen über grenzenlose Macht, Glanz, Schönheit oder ideale Liebe
  • Überzeugung „besonders und einzigartig“ zu sein und nur von ebensolchen Personengruppen verstanden zu werden
  • ausgeprägter Wunsch nach Bewunderung oder Anerkennung
  • Empfindlichkeit gegenüber Kritik oder Niederlagen
  • Oberflächlichkeit, Desinteresse an den Bedürfnissen, Gedanken und Gefühlen anderer Menschen
  • überzogene Leistungsansprüche
  • konkurriendes Verhalten
  • Abwertung der Leistung anderer aus Angst, dass eigene Leistungen nicht gesehen werden
  • arrogante, hochmütige, überhebliche und teilweise feindselige Verhaltens- und Ausdrucksweisen
  • ausgeprägte Selbstwertschwankungen (reicht von „Ich bin der Größte“ bis „Ich bin ein Niemand“)
  • Gefühl von innerer Leere und Einsamkeit
  • Angst davor Schwäche zu zeigen
  • Schwierigkeiten mit Misserfolg und Fehlern
  • Schwierigkeiten sich ernsthaft und aufrichtig zu entschuldigen
  • häufige Betäubung mit Substanzen, Pornos oder teuren Luxusartikeln

Die wichtigsten Symptome der Borderline- Persönlichkeitsstörung

Im Folgenden sind die Schlüsselsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung aufgeführt

  • schnelle und/oder häufige Stimmungswechsel oder intensive emotionale Reaktionen
  • Mangel an Stresstoleranz, Schwierigkeiten im Umgang mit Wut und Ärger
  • Selbstverletzungen, Suizidversuche, parasuizidales Verhalten
  • Impulsives selbstschädigendes Verhalten (z.B. riskantes Autofahren, riskantes Sexualverhalten, Geldausgeben, Alkohol- und Drogenmissbrauch)
  • Impulsives Fremdgefährdendes Verhalten (z.b. androhen von Suizid, Kontaktabbrüche, Geschlechtsverkehr ohne Verhütung)
  • instabile On-Off Beziehungen
  • Ein stetiger Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung wichtiger Bezugspersonen
  • Angst vor Zurückweisung oder Verlust wichtiger Bezugspersonen
  • Schwierigkeiten, allein zu sein
  • Angst vor zwischenmenschlicher Nähe (Das Gefühl erdrückt zu werden)
  • Unsicherheit bezüglich Beruf, Ausbildung, sexueller Orientierung
  • Unsicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper
  • Selbstabwertungen und negative Grundannahme zur eigenen Person (führt zur Vorveurteilung von anderen)
  • Gefühl der Hilflosigkeit und innere Leere
  • Misstrauen und teilweise krankhafte Eifersucht
  • Dissoziationen und Depersonalisation (Unwirklichkeitsgefühl, Verzerrungen von Zeit und Raum und Körperwahrnehmungen)

Narzissmus und Borderline: ich-synton

Narzissten und Borderliner/innen haben in der Regel keine „Krankheitseinsicht“ – im Gegenteil: es liegt nie an ihnen. Es sind immer die anderen, die schuld sind! Sie leiden also nicht unter ihrem Verhalten, sondern an der Reaktionen ihrer Umwelt.  Diese Tatsache ist der Grund, warum die Thematik so ungemein herausfordernd ist für Angehörige von Menschen mit Persönlichkeitsstörung. 

Das ist einer der Gründe, warum die Veränderungsmöglichkeiten bei Narzissmus und Borderline ausgesprochen gering sind. Oftmals spielen Depressionen, Ängste, Trennungen, Jobverluste, Alkohol und Drogenkonsum oder Suizidalität eine Rolle, wenn sich ein Narzisst oder Borderliner freiwillig in therapeutische Hände begibt. Das heißt oft wird die Persönlichkeitsstörung nicht als solche erkannt oder sie ist verdeckt. Darüber hinaus gelten beide Störungsbilder als Spektrumsstörungen.

Laut ICD-11 fallen die Bezeichnungen Narzissmus und Borderline als Kategorien weg. Mehr noch wurden Überlappungen beider Störungsbilder bei der komplex- posttraumatischen Belastungsstörung (kPTBS) festgestellt. 

Ich persönlich sehe narzisstisches Verhalten oder emotionale Instabilität als Folge von Bindungs- und Entwicklungstrauma und als als mehr oder minder unglücklichen Versuch die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Deswegen behandel ich in meiner Praxis sowohl Menschen, die laut ICD-10 die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung erfüllen, als auch deren Angehörigen (u.a. Partner, Töchter, Söhne, Geschwister, Eltern), sowie Menschen, die nach ICD-11 eher unter einer komplex- posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Narzissmus und Borderline

Psychotherapie bei Narzissmus und Borderline

Ich persönlich bin großer Freund von Verhaltenstherapie kombiniert mit Methoden aus der Trauma- und Körpertherapie. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und Selbsterfahrung, sehe ich hierbei die größten Erfolgsmöglichkeiten etwas zu verändern.  

Ich arbeite speziell mit der Schematherapie nach Jeffrey Young, sowie Elementen aus dem DBT von Linehan. Beide Methoden haben sich bei der Behandlung von Narzissmus und Borderline – Betroffenen als besonders wirksam erwiesen.

Darüber hinaus kann ein Skilltraining angebracht sein, Training sozialer Kompetenzen oder Ansätze aus der positiven Psychologie zum stärken des Selbstwertgefühls. 

Therapieangebot für Angehörige 

Sofern ihr Partner oder ihre Partnerin nicht bereit ist mit Ihnen gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten, in Form einer Paartherapie oder Paarberatung, sollten Sie eine Trennung in Betracht ziehen.  

Darüber hinaus gibt es Gründe, die dazu führen, dass Sie in solch einer Beziehung gelandet sind. Mitunter werden Erfahrungen aus der Kindheit wiederholt, oder sie leiden selber unter einer dependenten Persönlichkeitsstruktur. Man sagt auch Co- Abhängigkeit dazu. 

Warum eine Trennung manchmal sinnvoll ist

Manchmal ist eine Trennung unabdingbar. spätestens dann, wenn es zu häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch oder antisozialem, kriminellen Verhalten gekommen ist. Eine „toxische Beziehung“ hinterlässt Spuren und führt nicht selten auch zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung.  

Der entscheidende Schritt nach der Trennung, besteht in der Aufarbeitung des erlebten Traumas und der  psychodynamischen Prozesse innerhalb der Paarbeziehung. Jeder Mensch bringt seine eigenen Themen mit in die Beziehung hinein und es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein. 

Der enorme Gewinn aus diesem Aufarbeitungsprozess macht alle Mühen wert. Endlich kann Frieden mit sich selbst und der Vergangenheit geschlossen werden,  was ein Gefühl der Freiheit, Selbstliebe und des „Angekommenseins“ hervorruft.

Dazu gehören:

  • Emotionale Kontrolle und mentale Stärke
  • Stärkung des Selbstwerts, Selbstbewusstseins, Selbstvertrauens und der Selbstliebe
  • Aufdecken und Eliminieren unbewusster, negativer Glaubenssätze
  • Setzen von Grenzen und Erlernen des „Nein“-Sagens
  • Kompetenz im Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Ressourcenmanagement und Stressresilienz (Widerstandsfähigkeit gegen Stress)
  • Achtsamkeit im Alltag
  • Bewältigung von Trauer, Liebeskummer und Schuldgefühlen
  • Traumaaufarbeitung.

Kontaktieren Sie mich